Vorzüglich, dieser Lundehund

 

NRZ, 18.10.2009, Maren Giese
 
 
Asko aus Norwegen war einer der Stars bei der Messe in Dortmund. Aber auch die Island-Pferde hatten ihre Fans

Dortmund. Hundebellen schallt an diesem Tag aus allen Ecken der Halle 1. Dort, wo sonst Rockstars ins Mikro röhren, sind heute Vierbeiner die Stars. Und während bei den einen noch gebadet, geföhnt und geschnitten wird, müssen andere schon formvollendet über die blauen Filzmatten traben und demonstrieren, wie gut sie ihrem Rassestandard entsprechen. Immerhin wird hier auf der Dortmunder Messe „Hund und Pferd” auch in diesem Jahr wieder der Bundessieger gesucht. Und Asko liegt mitten drin im Trubel.

 Doch der zarte braun-weiße Rüde ist total entspannt. Ab und zu mal ein neugieriger Blick, das reicht dem fast Zweijährigen schon. Ob er weiß, dass er gleich eine wichtige Aufgabe zu erfüllen hat? Schließlich soll er seine Rasse vertreten - als einziger seiner Art auf der größten Hundeausstellung in Deutschland. Denn Asko ist ein Norwegischer Lundehund und gehört damit zu einer der seltensten Rassen der Messe.

 In Halle 2 stehen dagegen weniger seltene Vierbeiner im Mittelpunkt. Rund 40 000 Island-Pferde gibt es in Deutschland. Klaus Hübel vom Landesverband Westfalen-Lippe des Islandpferde-Reiter und Züchterverbandes (IPZV) hat ihnen aber zum ersten Mal eigenes Dorf errichtet. Die Rasse „wird immer stärker nachgefragt”, sagt Hübel, der selbst seit über 40 Jahren die Pferde mit der vierten Gangart „Tölt” reitet. Die Vorteile der Rasse liegen für ihn klar auf der Hand: „Nicht zu groß, nicht zu klein, sehr vielseitig zu reiten und gerade auch für erwachsene Einsteiger wegen ihres freundlichen Wesens gut geeignet.”

 Ob das auch etwas für Freunde des Norwegischen Lundehundes wäre? Immerhin stammt der nicht nur ebenfalls aus dem hohen Norden, sondern gilt auch als „pflegeleicht, hübsch und familienfreundlich”. Durch eine Fachzeitschrift sei sie auf die Rasse aufmerksam geworden, erzählt Askos Besitzerin Kirsten Selbach-Böke. So erkundigte sich die Essenerin nach einem Züchter und geriet über Umwege direkt an einen Norweger. „Dort haben wir Asko dann sogar selbst abgeholt.” Es sei „ein supertoller Hund” - und das nicht nur, weil er die Vorderbeine um 90 Grad zu Seite drehen und seinen Kopf auf den Rücken legen kann. Die Rasse sei immerhin gezüchtet worden, um Papagaientaucher aus den norwegischen Felsspalten holen, erklärt Kirsten Selbach-Böke. Weltweit gibt es 1500 Exemplare, überschaubare 50 davon in Deutschland. „Deshalb kennen wir Besitzer uns auch alle”, erzählt sie lachend.

 Einsam waren die Hundebesitzer in den Westfalenhallen allerdings sowieso nicht. Auch wenn konkrete Zahlen noch nicht vorlagen, „haben wir allein am Freitag 20 Prozent mehr Besucher gezählt als am ersten Besuchstag vor einem Jahr”, betont Udo Kopernik, Sprecher des ausrichtenden Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH).

 Und so schieben sich viele Hunde und ihre Besitzer vorbei an den Ständen mit allerlei Zubehör und neuesten Trends. Hundesofas im Zebraprint oder mit Rosendekor gibt es hier ebenso zu erstehen wie Halfter mit Glitzer und Glimmer für das liebe Ross. Oder darf es doch eher das Leckerchen Marke „Fleischbrocken” beziehungsweise „Möhre” oder „Rote Beete” sein?

 Für Asko geht es derweil nicht um Fleischbrocken, sondern um die Wurst. Die Richterin begutachtet erst sein Äußeres, sein Wesen, dann muss Asko auf- und abtraben, und schon geht es an die Bewertung. Bei den Hunden im Messeforum reicht das nicht. Hier läuft gerade das Casting zur „Superpfote 2009”. Zu gewinnen bei dieser Filmhundsuche gibt es eine Rolle in der TV-Vorabendserie „Niedrig und Kuhnt” auf Sat.1. Über 400 Hunde hatten sich deutschlandweit bereits beworben und ihre Tricks vorgeführt. Und „die werden immer verrückter”, sagt Peter Doepp, Sprecher der „Trick Dogs”, einer Gruppe von Hundetrainern, die auch Filmhunde ausbilden und das Casting begleiten. Er habe Vierbeiner gesehen, die „rückwärts Wände hochlaufen oder Handys aus Taschen klauen”. Wie das geht? Doepp erklärt: „Beim Trick Dogging nutzt man aus, was der Hund im Spiel anbietet.” Wenn ein Tier also gerne apportiere, könne man ihm recht schnell beibringen, beispielsweise einen Löffel aus der Kaffeetasse zu holen.

 Wie man dagegen Hunden Verhaltensweisen wieder abgewöhnt, erklärt gleich nebenan „Hundeversteher” Martin Rütter, bekannt aus TV-Sendungen wie „Der Hundeprofi” (Vox): Es seien immer wieder „Klassiker”, mit denen er konfrontiert werde, betonte Rütter vor seinem vielfragenden Publikum. Zum Beispiel die, ob man eingreifen solle, wenn zwei Hunde aufeinander losgingen oder nicht. „Nur, wenn Sie auf natürliche Auslese stehen”, so Rütters typisch ironische Antwort.

 Asko benimmt sich derweil vorbildlich. Kein Wunder, dass sein Frauchen da am Ende strahlen kann. Bundessieger ist er, und ein „vorzüglich” bekommt er von der Richterin – auch bei nur einem Teilnehmer keine Selbstverständlichkeit. „Die Richterin kann selbst entscheiden, ob sie den Titel überhaupt vergibt”, erklärt Kirsten Selbach-Böke. Und Asko? Der freut sich über ein dickes Leckerchen. Ob das eines der Marke „Fleischbrocken” war, bleibt allerdings ein Geheimnis.

 

Mit freundlicher Genehmigung der NRZ

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